KehrseiteAm vergangenen Mittwoch (17.04.13) war es endlich soweit, die Ergebnisse, des durch die „Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung“ geförderten dreimonatigen Workshop-Projekts “Alltagsclip”,  wurden in der Marburger Waggonhalle aufgeführt. Unter dem Titel „Die Kehrseite“ präsentierten die überwiegend aus dem Marburger Stadtteil Waldtal stammenden jugendlichen TeilnehmerInnen im Alter von 10 bis 19 Jahren, ihre Perspektiven auf das alltägliche Leben in ihrem Land, in ihrer Stadt und in ihrem Bezirk. Die Symbolfigur der „Kehrseite“ begleitete dabei stets die Aufführung, die unter anderem von der Bedeutung individueller Entscheidungen und der Machtlosigkeit des/der Einzelnen, der Dualität von Gut und Böse sowie von unterschiedlichen und oftmals entgegengesetzten Milieus und Jugendgruppen handelte. Die Botschaften verpacken die Jugendlichen in einer Performance in der die Elemente des Theaters und Kurzfilms mit den Elementen der HipHop-Kultur kombiniert werden. Koordiniert wurde das Projekt durch die Theaterpädagogin Inga Blix, den Kameramann und Medienpädagogen Kamil Hertwig und durch Aljoscha Tischkau, dem Leiter des HipHop-Projekt im St. Martin-Haus.

Als Ergebnis präsentierte sich den ca. 130 Zuschauern eine gesellschaftskritische und mitreißende Geschichte, die sich aus unterschiedlichen Erzählsträngen zusammensetzte und in einem Wechsel aus Bühnenspiel, kurzen Filmsequenzen und Rap-, Gesangs-, Beatbox- und Breakdance- Performances vorgetragen wurde. Diese außergewöhnliche Kombination der künstlerischen Darstellungsformen und die erstaunliche Qualität mit der die Jugendlichen ihre Fähigkeiten zur Schau stellten, löste bei dem anwesenden Zuschauer Begeisterung und Erstaunen aus. Während der 90-minütigen Performance schwankte die Stimmung des Publikums zwischen gespannter und konzentrierter Stille, respektvollem Applaus und tosenden Beifallsstürmen. Viele Besucher äußerten im Anschluss, dass sie gerade wegen der kurzen Zeit in der das Projekt realisiert wurde, „nicht mit so etwas gerechnet“ haben und von der künstlerischen Qualität der Performance positiv überrascht wurden.

Die Begeisterung des Publikums übertrug sich auch auf die jungen KünstlerInnen. Die Anspannung, die sich in den letzten Wochen und Tagen vor dem großen Auftritt aufgebaut hatte, wich dem Gefühl, etwas Sehenswertes auf die Beine gestellt zu haben. Nachdem die Rufe nach einer Zugabe erfüllt wurden, konnte man sich in entspannter Atmosphäre mit Freunden, Familienangehörigen und Medienvertretern über den erfolgreichen Abend austauschen. Dabei wurde eine weitere, sehr positive Kehrseite sichtbar: Die soziale Anerkennung und das damit einhergehende Erfolgs- und Selbstwertgefühl bei den Jugendlichen waren eine wohlverdiente Belohnung für den Aufwand, die unzähligen Stunden sowie zahlreichen Wochenenden, die die Jugendlichen seit dem 12. Januar dieses Jahres aufbringen mussten. Am Ende des Abends stand die Erkenntnis: es habe sich gelohnt, Verantwortung zu Übernehmen, Kompromisse zu schließen und gemeinsam was auf die Beine zu stellen. Man darf darauf hoffen, dass diese Aufführung nicht das einzige Mal war an dem uns „Die Kehrseite“ präsentiert wurde. Dazu gibt es in Kürze mehr auf der St. Martin-Haus Homepage.

 

Kommentare sind geschlossen